Joseph Beuys

Im Februar 1976 installierte Joseph Beuys (1921-1986) im Münchner Kunstforum das Environment zeige deine Wunde (1974/75). Die Erwerbung der Arbeit für das Lenbachhaus im Jahr 1979 war Gegenstand einer öffentlich geführten Diskussion über den Wert von zeitgenössischer Kunst. Der Ankauf wurde als Provokation, aber auch als ein Aufbruch des Hauses in neue Dimensionen des Sammelns begriffen. Erstmals wurde damit ein bedeutendes Kunstwerk erworben, dessen Autor keinen Lebens- oder Arbeitsschwerpunkt in München hatte. Im Januar 1980 richtete Beuys das Environment im ehemaligen Atelierflügel Franz von Lenbachs ein. Er sagte dazu: "In diesem Konzert der Gegenstände spreche nicht ich, sondern die Dinge haben ihre eigene innere Sprache. Das zu erfassen, kann man niemandem abnehmen."

Mit dem 2012 mit Hilfe der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Landesstelle nichtstaatlicher Museen in Bayern, sowie mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Fördervereins Lenbachhaus e.V. und Privatspenden erworbenen Environment vor dem Aufbruch aus Lager I (1970/80) aus der Sammlung Lothar Schirmer wurde die Position von Joseph Beuys am Lenbachhaus wesentlich verstärkt. vor dem Aufbruch aus Lager I thematisiert den künstlerischen Schaffensprozess mit der Darstellung des Menschen als Handelnder, als Schaffender, als Künstler. Wiederum steht hier die Schultafel im Zentrum der Rauminstallation, diesmal nicht mit einer so endgültigen Aufforderung wie zeige deine Wunde, sondern mit einem vielgestaltigen Lehrbild. Darin geht es Beuys um das Aufzeigen des Prozesses von der Materie zur Gestalt oder Form. In diesem Diagramm zeigt er uns seine Vorstellung des erweiterten Kunstbegriffs.

Mit den beiden Environments von Joseph Beuys, die im Lenbachhaus in angrenzenden Räumen installiert sind, setzt das Museum einen neuen Sammlungsschwerpunkt.

Verstärkt wird dieser durch die Schenkung Lothar Schirmers, der seine höchst bedeutende Sammlung an Plastiken von Joseph Beuys dem Lenbachhaus zur Verfügung stellt. Durch dieses 15 Werke umfassende Konvolut aus den Jahren 1949 bis 1972 können alle Etappen von Beuys' plastisch-bildhauerischem Schaffen exemplarisch gezeigt werden. Neben Ofen und Badewanne, Musikbox und Hasengrab, vertreten Lavendelfilter, Fisch und Mäusestall die bildhauerischen Gestaltungsmöglichkeiten, die Beuys in der Zeit von 1948 bis 1968 entfaltete. Ab 1970 wandte er sich dann ausgedehnten, großformatigen Rauminstallationen zu.

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