Titel / Kurzbeschreibung
Erzengel
Datierung
1938, 82 (G 2)
Objektart
Gemälde
Material
Öl, Kleister auf Baumwolle, auf Jute, auf Keilrahmen
Maße
100 cm x 65 cm
Signatur / Beschriftung
u. r.: Klee; auf dem Keilrahmen: 1938 Y Erzengel
Ausgestellt
ja
Inventarnummer
AK 9
Zugang
Leihnahme
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
Zitiervorschlag / Permalink
Paul Klee, Erzengel, 1938, 82 (G 2), Öl, Kleister auf Baumwolle, auf Jute, auf Keilrahmen, 100 cm x 65 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
https://sammlungonline.lenbachhaus.de/objekt/erzengel-30030524.html
Werktext
Nach der Entlassung aus seinem Lehramt an der Düsseldorfer Akademie durch die Nationalsozialisten 1933 emigrierte Klee in seine Schweizer Heimat. Ab 1935 zeigten sich die Symptome einer gefährlichen Sklerodermie, an der Klee nach fünf Leidensjahren sterben sollte. 1936 entstand nur eine geringe Anzahl von Bildern. 1937 bis zu seinem Tode folgte jedoch noch einmal eine überreiche Schaffensperiode, in der mehr als zweitausend Werke entstanden, eine Produktion, die angesichts des wachsenden Zerfalls der körperlichen Kräfte Klees unbegreiflich scheint. Ein herausragendes Thema dieses Spätwerks sind die "Engelbilder". Vereinzelt, etwa mit "Angelus Novus" von 1920 (Kunstmuseum Bern, Paul Klee Stiftung), hatte Klee das Thema bereits zuvor beschäftigt, doch die runenhaften Zeichen von Bildern wie "Engel im Werden", "Angelus dubiosus", "Engel vom Stern" und "Erz-Engel" aus den späten Dreißigerjahren führen diese Vorstellung in eine neue Dimension. Die Grenzlinie zwischen Leben und Tod, zwischen irdisch körperlicher und unvergänglicher Existenz, die der Engel von seinem Wesen her umfasst, wird in den großflächigen Bildern der letzten Jahre fassbar. In "Erz-Engel" stehen schwarze, schwere Balkenfiguren vor der transparenten, vom groben Jutegrund aufgesogenen "Farbenvielfalt eines verblassenden Regenbogens" (Rosel Gollek), die dem Bild eine immanente, sakrale Leuchtkraft verleiht. Auch hier herrscht trotz der Disparität der formelhaften Zeichen eine hierarchische Ordnung, die die Erscheinung des Engels und seinen wie von einer Flamme bekrönten Hinweis nach oben verständlich werden lässt.
Das Wissen um das nahe rückende Ende, die Sehnsucht nach Transzendenz wie auch die bedrängte Zeitstimmung angesichts der drohenden Gefahren von Faschismus und Krieg scheinen in einem solchen Bild Gestalt angenommen zu haben. Die "Engelbilder" sind damit "als Höhepunkt einer künstlerischen Entwicklung" zu betrachten, "in der privates Lebenszeugnis, historische Betroffenheit, mythisches oder religiöses Menschheitsgedächtnis und absoluter Kunstcharakter" sich vereinigen (Otto K. Werckmeister).