Titel / Kurzbeschreibung
Früchte auf Rot
Datierung
1930, 263 (AE 3)
Objektart
Gemälde
Material
Aquarell, Pinsel, Feder, Zirkel auf Seide
Maße
61,2 cm x 46,2 cm
Signatur / Beschriftung
auf dem Untersatzkarton u. l.: S. Cl. 1930 AE 3; auf dem Untersatzkarton u. r.: Fruechte auf rot
Ausgestellt
ja
Inventarnummer
FH 222
Zugang
Leihnahme 1971-10-21
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der BayernLB
Zitiervorschlag / Permalink
Paul Klee, Früchte auf Rot, 1930, 263 (AE 3), Aquarell, Pinsel, Feder, Zirkel auf Seide, 61,2 cm x 46,2 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der BayernLB
https://sammlungonline.lenbachhaus.de/objekt/fruechte-auf-rot-30036432.html
Werktext
"Früchte auf rot" handelt ähnlich wie "Botanisches Theater" von pflanzlichem Wachstum und zeigt die gesetzmäßige Entwicklung von kleinsten beerenförmigen Knospen zum verästelten Trieb, von der Blüte zur Frucht. Das von Klee mit der Bezeichnung "Sonderclasse" ausgezeichnete Aquarell entstand auf einem feinen, kupferroten, auf blauem Karton montierten Seidentuch. Die geometrischen Formen der Früchte und Blätter sind ebenfalls aus Seide ausgeschnitten und aufgeklebt, die Stängel mit spitzem Pinsel oder Feder gezogen. "Ein kandelaberartiges, reich sich verästelndes Gewächs beherrscht das Blickfeld. Rechts unten wachsen kleine Beeren und Glockenblumen aus der eigentlichen Basis hervor. Sämtliche Pflanzen dehnen sich nach oben, dem Licht zu … Eine weitere Einzelheit bedarf noch der Erwähnung: In der linken oberen Ecke wird die rudimentäre Andeutung eines zurückgeschlagenen Vorhangs sichtbar. Das Motiv des Bühnenvorhangs tritt seit etwa 1918 in zahlreichen Werken des Künstlers auf. Der Vorhang soll hier nicht alleine eine in sich ruhende Bildwelt nach der Seite und oben kompositionell abschließen, sondern die Darstellung des Geheimnisses pflanzlichen Wachstums als erscheinungshaft visionär kennzeichnen. "Früchte auf rot" gehört somit zu jener zentralen Themengruppe im Schaffen von Klee, die 1934 im Tafelbild "Botanisches Theater" – ein Höhepunkt des Gesamtwerks schlechthin – gipfelt" (Christian Geelhaar).
"Früchte auf rot" entstand 1930 in Dessau, wohin Klee mit dem Bauhaus von Weimar übergesiedelt war. Seit 1930 benutzte der Künstler wiederholt ungrundierte Stoffe als Malgrund, in seinem expressiven Berner Spätwerk häufig grobe Jute oder Sackleinen. Die delikate Seidencollage dieses Werkes kommt auf dem Weg höchster Künstlichkeit zu einer prinzipiellen Natürlichkeit, zu einer vertieften, minutiös sezierenden Beobachtung der Natur. Im querschnitthaften Aufriss werden die Gehäuse der organischen Gebilde freigelegt. In "Wege des Naturstudiums" schrieb Klee 1923: "Der Mensch zergliedert das Objekt und entlarvt sein Inneres auf geschnittener Fläche … Es ist dieses sichtbare Vordringen in verborgene Bereiche, teilweise durch ein einfaches scharfes Messer, teilweise mit Hilfe delikater Instrumente, das die materielle Struktur oder materielle Funktion klar vor das Auge bringt. Die Summe von Erfahrungen, so erhalten, gibt uns die Möglichkeit, intuitiv zu beurteilen, was die innere Natur des Objektes ist, allein die Außenseite anschauend." Die zarte, konstruierte Architektonik der "Früchte auf rot" exemplifiziert auf ideale Weise diesen Einblick in die Anatomie der Objekte. Der Notenschlüssel am rechten Bildrand ist ein Hinweis auf die frühere Funktion des Tuches, das Klee beim Geigenspiel zur Schonung des Instruments benutzt hatte.

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