Titel / Kurzbeschreibung
Tiger
Datierung
1912
Objektart
Gemälde
Material
Öl auf Leinwand
Maße
111,7 cm x 101,8 cm x 2,4 cm
Signatur / Beschriftung
rückseitig: Fz. MARC/12
Ausgestellt
ja
Inventarnummer
G 13320
Zugang
Schenkung 1965
Creditline
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Zitiervorschlag / Permalink
Franz Marc, Tiger, 1912, Öl auf Leinwand, 111,7 cm x 101,8 cm x 2,4 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
https://sammlungonline.lenbachhaus.de/objekt/tiger-30019617.html
Werktext
″Der Tiger″ ist eines der großartigsten Werke Franz Marcs aus der Periode bis Ende des Jahres 1912, bevor der Künstler unter dem Eindruck der simultanen, aktiv bewegten Farbe des Franzosen Robert Delaunay eine noch weitergehende Formverschränkung abstrakter rhythmischer Bahnen und Farbblöcke in seinem 'Spätwerk' von 1913 und 1914 entwickelte. Das annähernd quadratische Bildformat ist beherrscht von der mächtigen, kauernden Gestalt eines Tigers, der, in kantigen Umrissen wie aus Gestein gehauen, seinen schöngeformten Kopf in kühnem Schwung zurückwendet. Die Facetten seines gelb aufleuchtenden Körpers fügen sich mit den transparenten, kubischen Formationen seiner Umgebung zu einer unauflöslichen Einheit, in der zwischen organischer und anorganischer Substanz nicht mehr unterschieden wird. Trotz der abstrahierenden Tendenzen ist hier das Wesen des Raubtiers mit äußerster Präzision erfasst und zur essentiellen Form verdichtet: Gerade im straffen Gerüst der Formbezüge vermittelt sich das königliche Sein des Tiers, seine gebändigte, doch jederzeit explosive Energie, seine sprungbereite Kraft und Geschmeidigkeit. Das Bild des ″Tigers″ ist die Frucht der jahrelangen Bemühungen Marcs, das Tier in seinen typischen Stellungen analytisch zu erfassen und damit zum Kern seines Wesens vorzudringen. Alle Einzelheiten dieses reifen Werks sind bereits in der kleinen Bronze eines ″Panthers″ von 1908 vorgebildet (Städtische Galerie im Lenbachhaus), die der bildhauerisch unerfahrene Marc damals mit erstaunlicher Sicherheit modellierte. Im Gemälde ist das Formengut des Kubismus, dem Marc bereits in Werken von Pablo Picasso und Georges Braque auf der zweiten Ausstellung der 'Neuen Künstlervereinigung München' begegnet war und den er auf der großen 'Sonderbund'-Ausstellung in Köln 1912 erneut studieren konnte, demnach nur als zusätzliches Ausdrucksmittel für eine bereits konzipierte Urgestalt eingesetzt, seine Rezeption des Kubismus ist eine expressive Umgestaltung von dessen Techniken. Bezeichnenderweise leitet Marc seine berühmtesten Sätze zum Abschluss seines Aufsatzes "Die Wilden Deutschlands" im Almanach ″Der Blaue Reiter″ 1912 mit dem Hinweis ein, dass die Frage nach der fortschrittlichen formalen Entwicklung in der Malerei – vom Impressionismus bis zu den jüngsten Strömungen des Kubismus – gegenüber den höheren, auf geistige Werte gerichteten Zielen der 'neuen Kunst' verblasse: "Die schönsten prismatischen Farben und der berühmte Kubismus sind als Ziel diesen 'Wilden' bedeutungslos geworden. Ihr Denken hat ein anderes Ziel: Durch ihre Arbeit ihrer Zeit Symbole zu schaffen, die auf die Altäre der kommenden geistigen Religion gehören und hinter denen der technische Erzeuger verschwindet."

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